Tagebuch zum Törn 2015

Das Tagebuch wurde von Kiwi und Amélie geschrieben und immer dann aktualisiert wenn Handyempfang da war.

Sonntag 13.09.2015  –  Anreise und Ablegen  –  Kiel, Heikendorfer Bucht

Um 7:00 Uhr klingelt der Wecker. Ich lass mir Zeit. Frühstück im Hotel ist erst um 8:00 Uhr, um 9:00 Uhr fährt der Zug. Mit Amélie und Sascha steh ich per Whats App in Kontakt. Auch sie sind schon in den Startlöchern.
Alle haben wir uns gestern schon in Hamburg zu den Cruise Days getroffen. Wir, das sind Tom, Tommy, Gert und ich (Kiwi) sind im Hotel geblieben, Sascha u. Amélie zelten unweit auf dem Campingplatz. Da die beiden mit dem Auto unterwegs sind, treffen wir Sie erst wieder an der Thor.

Die letzten Minuten im Bus 100 in Kiel Richtung Laboe werden zu Stunden, jeder Schritt danach Richtung Thor wird schwerer. In Wirklichkeit ist es der Seesack und die Sehnsucht. Hinter einer Hausecke taucht Sie endlich auf: Die Thor! Endlich! Es ist wie Heimkommen.

Liegeplatz
Die Thor am Liegeplatz in der Schwentine in Kiel

Einige sind schon da. Wir werden freudig begrüßt. Gespannt warten wir auf den Belegungs- und Wachplan.
Die Kojen werden bezogen, die „Neuen“ im und auf dem Schiff herumgeführt.
Ablegen ist gegen 16:30 geplant.
18:00 Uhr wurde abgelegt. Anschließend wurde die Wache in zwei Gruppen aufgeteilt und die Thor von Achtern nach vorn oder durch die andere Gruppe von vorn nach achtern besichtigt/erklärt.
19:30 Uhr Abendbrot an Deck. Mit Beginn der Schweigeminute [gemeint ist die stille Minute] setzt leichter Regen ein. Toll!
Anschließend Besprechung in der Messe der Wache II.
Wir liegen in der Heikendorfer Bucht, fast gegenüber dem Nordostseekanal. Jedes der vorbeifahrenden großen Schiffe lässt unsere Thor schaukeln. Jetzt (23:00 Uhr) schaukeln uns diese Wellen wohlig in den Schlaf.

Montag 14.09.2015 irgendwann gegen 5:45 Uhr

Es wird hell in der Kabine. Es raschelt. Es ruft jemand „Sandra, Sandra …“, eine Taschenlampe leuchtet auf. Nun bin ich wach! Naja, muss eh in einer halben Stunde zur Backschaft. Genieße noch das Liegenbleiben.
Dann irgendwann steige ich auch aus der Koje. Habe herrlich geschlafen. Wir haben einen tollen Sonnenaufgang. Leider liegt mein Foto[apparat] in der Kabine. Das Frühstück decken wir in der Messe, was von unserem Kapitän Werner mit folgendem Satz begrüßt wird:
„Das Abendessen bei Regen an Deck, das Frühstück bei Sonne unter Deck! Daran arbeiten wir noch.“ Um nicht die ganze Schuld auf die Schultern der Backschaft zu legen fragen wir ihn, wo er den das Mittagessen (Bolognese mit Nudeln) einnehmen möchte. Er möchte auf Deck essen. Fast pünktlich vor dem Mittagessen fängt es zu tröpfeln an. Werner, daran arbeiten wir noch.
Haben unterdessen den Anker gelichtet und sind ein Stück unter Motor von der Förde raus gefahren. Dann hat die Wach- /Fahrwache die Mars gesetzt.
Das Schiff rollt leicht, der Himmel ist bewölkt und wir haben einen leichten Wind von westen.
Gegen Morgen sollen stärkere Winde von der Nordsee her zu uns kommen. Wenn sie ungebremst kommen, spricht Werner von 6-7 Windstärken. Da kann man dann mal richtig mit Segeln loslegen.

Ich werde müde. Ein bisschen Ausruhen tut auch mit gut. Eine Stunde in der Koje und ich bin wieder fit.
Unsere Wachgruppe trifft sich um 15:00 Uhr in der Messe zum theoretischen Segelsetzen eines Gaffelsegels, Zu unserer Besegelung, die wir bedienen müssen gehört das Großsegel am Großmast und das Großtoppsegel. Außerdem bedienen wir die Marsrah.
Micha unser Wachführer quält uns mit Fragen anhand eines Posters, auf dem die Thor in voller Besegelung zu sehen ist.
„Wie heißt dieses Segel? Was ist das für ein Segel? Wo ist der Klaufallniederholer?“ usw.

Ein Ohrenbetäubender Lärm unterbricht unseren Unterricht: Der Anker wird runter gelassen. Wir ankern in der Schwedenecke.

Theorie ist das eine, Praxis das andere.
Als nächsten gehen wir in Regenzeug (ja, es regnet wieder) an Deck, legen unser Gurtzeug an, bekommen eine kurze Einweisung vor ort und dürfen dann an die entsprechenden Positionen zum (immer noch) theoretischen Segelsetzten. Theoretisch also können wir nun ein Gaffelsegel setzen. Morgen in der Praxis werden wir dann sehen ob´s klappt.
Denn es ist schon wieder 19:00 Uhr und das Essen steht auf dem Tisch.
Ab 20:00 Uhr haben wir Ankerwache. Fünf von und sind mit Johannes dran.
Tom und ich ab 22:00 – 00:00 Uhr.
Werde mich noch kurz in die Koje legen und dann gegen 21:45 Uhr in mein Regenzeug schwingen. Temperatur liegt bei 17 °C, Luft bei 14,5 °C. Im Wasser wäre es wärmer…
Wir machen unsere Position klar und tragen sie ins Buch ein. Zum Schluss wird noch die kommende Wache geweckt. Zwei Stunden gehen schnell vorbei. Nur noch rasch Zähne putzen und dann ab ins Bett.

Dienstag 15.09.2015, 6:00 Uhr

Amélie (liegt unter mir) wird geweckt. Sie hat Backschaft.
Aber: Sie hat mit zwei Männern vereinbart, sich morgens zur Einstimmung auf den Tag in die Fluten zu stürzen.6:05 Uhr hat sich die Sache schon erledigt. Thomas Martin (vielleicht hat er verschlafen) kommt nicht.
Beide Wartenden sind sich einig: Sie gehen jetzt heiß duschen. Somit gehe ich wieder in die Koje und schlaf nochmal anderthalb Stunden.7:30 Uhr ist allgemeines Wecken, ab 8:00 Uhr ist Frühstück und Ankerwache. Gert und Manuela gehen Wache und frühstücken somit später.
Werner gibt einen kurzen Lagebericht ab und fragt an, ob wir in einen Hafen möchten (für die kommende Nacht) oder lieber nochmals ankern.
Wir entscheiden uns für´s Ankern.
Unsere Wache ist nach dem Frühstück auf achtern anzutreffen. Es werden die Mars und das Groß (Gaffelsegel) gesetzt.
Mit Gert, der Rudergänger ist, gehe ich die Stationen zum Segelsetzen durch und wir legen fest, wer welche Stationen bedienen wird.
Micha gibt mit seiner tiefen durchdringenden Stimme die Befehle zum setzten des Groß. Alles klappt wunderbar und wir segeln mit 5 Knoten Richtung Damp.

Nachdem die Segel, die oben sein sollen gesetzt sind, ist etwas Zeit zum Klettern gegeben. Bis auf den Besan sieht man an Groß- und Schonermast fleißige Kletterer im Rigg, die einen höher, die anderen weniger hoch, je nach eigenem Ermessen.

13:00 Uhr: Endlich gibt es Mittagessen: Tortellini mit Spinat-Feta-Soße, danach eine Komposition aus „Armer Ritter, Vanillecreme, Rosinen in Rumaromareduktion mit Mandelsplittern“.
Mann, war das lecker. Dies zu übertreffen wird schwer werden. Das reichte schon fast an ein Captains-Dinner heran. Amélie hat uns für Nachmittags sogar einen Zwetschgen-Crumble gebacken.

Viel Zeit zum Ausruhen bleibt nicht nicht, denn direkt nach der tollen Stärkung werden diese grad gebunkerten Kalorien in einer Halse nach Steuerbord verbrannt.
Das Wetter zieht von „wolkenlos“ bis „etwas bedeckt“ zu.
Eine gute Gelegenheit sich der Aufgabe „klar Schiff“ zu widmen. Wache II ist mit dem Wellnessbereich dran.
Nach einer dreiviertel Stunde ist die Arbeit getan, sodass man die frisch geputzten Duschen wieder nutzen kann.
Leider haben einige (z.B. ich) nicht bedacht, das wir segeln, also der Motor aus ist, es […]

Mittwoch 16.09.2015, 5:45 Uhr

Der Tag beginnt, es regnet nicht, was schon mal sehr angenehm ist. Die Ankerwache mit Thomas-Martin und mir (Amélie) beginnt mit dem Wetter machen. Temperatur 16 °C und Wassertemperatur immerhin 17 °C. Wir hatten am Vorabend eine zusätzliche Aufgabe von Micha erhalten.

Es sollte, wenn der Generator zu 6:30 Uhr an geht heißes Wasser für Tee gemacht und Zwieback gereicht werden. Kurz darauf finden sich alle, die mitfahren zum Run an Dip auf dem Hauptdeck ein. Nach einer kurzen Stärkung werden die zwei Dingis klar gemacht. Pünktlich um 7:00 Uhr gehts dann los. Wir paddeln an Land. Am Steg festgemacht, geht der Großteil laufen, einige marschieren stramm und nur wenige bleiben am Strand. Nach einer ausgiebigen Laufrunde freuen sich alle auf das kühle Nass. Ich fand es sehr kalt, aber als ich aus dem Wasser raus kam, war mir schön warm. Der Kapitän und vier weitere sind dann zum Schiff zurück geschwommen. An Bord wieder angekommen gab es Frühstück und es wurde bekannt gegeben, wie sich der Tag gestalten sollte.
Vormittags von 10:30 Uhr bis 13:00 Uhr hatten wir nochmal Landgang und Besichtigung der Insel mit einem Besuch im Buddelmuseum. Durch den Landgang war dann das Mittagessen erst zu 13:00 Uhr angesetzt worden. Es gab eine leckere Kürbis-Lauch-Suppe mit Würstchen. Schon beim Essen wurde der Anker geholt und Kurs auf Marstal genommen. Wache II hatte dann von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr Fahrwache.
Die Fahrwache verlief für die Meisten von uns recht ruhig. Ein Bisschen Ausguck machen, mal eine Sicherheitsronde drehen, das Messing an Deck geputzt – mehr war für uns nicht groß zu tun.

Ganz anders erging es Gert unserem Rudergänger und Steuermann. Dadurch, dass wie an Äro in Richtung Norden führen und dort nur eine schmale Rinne mit wenig Tiefgang für Schiffe unserer Größe war, mussten wir genau zwischen den Begrenzungstonnen fahren um nicht aufzulaufen. Fast alle 30 Sekunden regnete es Befehle vom Steuermann an Gert, der diese wiederholte, ausführte und mit Antwort (z.B. Ruder liegt mittschiffs) bestätigte.
Und das ging fast 2 1/2 Stunden so. Armer Gert! Aber auch das gehört dazu. Mike hätte für diesen Job keinen besseren finden können!
Um 17:00 Uhr (laut Logbuch) legten wir in Marstal an an. Nachdem der Hafenmeister die [Liege]Gebühr bekommen hatte, machten wir uns auf, das Sonnensegel (in unserem Fall ein Regensegel) über das Hauptdeck zu spannen.
Werner ist ein Outdoorer. Er isst gern draußen. Und so werden die am Hafen gegrillten Würste und Fleischstücke in dicker Segeljacke an Deck verzehrt.
Kurz gingen einige noch nach Marstal, jedoch war es für fast alle ein langer Tag, begann er doch schon früh mit Run and Dip.
So trollten sich fast alle (bis auf die Hafenwache) in Ihre Kojen.

Donnerstag, 17.09.2015, 2:00 Uhr

Wie blöd bin ich eigentlich? Trage mich freiwillig um 2:00 Uhr bis 4:00 Uhr für die Hafenwache ein, anstatt mal durch-/auszuschlafen.
Gut, da muss ich jetzt durch. Gut, dass Amélie mit dabei ist. Hafenwache ist etwas launiger als Ankerwache. Man muss nach den Festmachern und nach Dem Dingi sehen. Dafür fällt die Peilung und Ort bzw. Kompass weg.
Unterbrochen wird unsere Sicherheitsronde nur von einem neugierigem Autofahrer und einem betrunkenen Mofafahrer, dessen laute Fragestunde ich kurzerhand unterbreche und sage, dass wir nun zu arbeiten hätten. Stimmt nicht ganz aber er schwingt sich auf sein Mofa und knattert davon.
Eigentlich wollten wir um 4:00 Uhr nach Wachwechsel beide duschen gehen, aber die Koje ruft so verlockend …
Das Frühstück am Morgen findet an Deck statt, bei schönem Wetter und blauem Himmel.
Werner fragt uns ob wir den Vormittag noch in Marstal verbringen möchten. Natürlich wollen wir …

Mir kommt es vor, als ob außer uns Thorianers keine anderen Menschen auf der Straße laufen. Zumindest laufen wir „uns“ immer wieder über den Weg. Gegen 12:00 Uhr ändert sich das aber.
Wir schauen uns die Schiffe im Haben, die Werft und das Museum an, kaufen ein und trinken in einem netten kleinen Kaffee Cappuccino.
Um 13 Uhr sind alle zum Mittagessen an Bord. Es gibt Reis mit vegetarischer Soße. Um ca. 13:30 Uhr legen wir von Marstal ab und sobald wir freies Fahrwasser haben merken wir die Windstärke 5-6 Bft. Einfach genial was der Wind so alles bewegen kann.
Unter Motor fahren wir an Äro vorbei. Nachdem wir die Insel hinter uns gelassen haben, werden Schoner, Groß und Mars gesetzt. Der Motor wir ausgeschaltet wodurch es jedoch nicht leiser wird. Der Wind heult und bläst um uns rum.
Die ersten Seekranken kauen an Deck auf Zwieback rum, verschwinden dann irgendwann unter Deck. Der Kapitän entscheidet das Besan zu setzen. Somit haben wir alle Gaffelsegel und die Mars gesetzt.
23:35 Uhr – War das ein Segelnachmittag. Ach was, auch ein Segelabend, fast schon eine Segelnacht. Die Windstärke blieb Nach mittags und Abends gleich 5-6 Bft. Trotzdem ging es schleppend voran. Die Baumfock war gesetzt ebenso zwei Klüversegel.
Es wurden immer weniger an Deck. Einige fütterten die Fische und fühlten sich aber nicht wirklich besser, andere lagen in den Kojen und versuchten zu schlafen. Fast ¼ der Mannschaft war ausgeknockt. Mir gefiel dieses Wetter, das Schaukeln vom Schiff, das Pfeifen des Windes. Das war mein Ding.
Um 19:00 Uhr gab es Abendessen. Thommy hatte uns Käsespätzle versprochen, die bekamen wir auch (zumindest der Teil der Mannschaft, dem es gut ging).
Wir fuhren in die Dunkelheit. Ab 20:00 Uhr hatte Wache II Wache. Ich ging mit Alexandra zum Ausguck. Leider sah man nicht allzu viel, es war einfach schon zu dunkel. Doch die Lichter an Land, Tonnen und Leuchttürme erkannten wir gut. Ebenso die uns entgegen kommenden Schiffe an ihren Positionslichtern. Irgendwann ging es Segelbergen.

Das muss so gegen 21:00 Uhr gewesen sein. Werner sagte: Die Segel nur bändseln und sichern. Den Rest machen wir morgen.
Als der Anker gegen 22:00 Uhr Uhr abgelassen wurde, gingen wir noch zu viert ins Rigg die Mars bändseln. Kathrin und Johannes an Backbord, Thommy und ich an Steuerbord. Wir hatten zwar drei Strahler an Bord, doch gesehen hat man auf der Rah kaum  etwas. Gut, dass wir unsere eigenen Knoten kannten. Das machte es uns leichter, und dort im Dunkeln zurecht zu finden. Um 22:00 Uhr war alles geschafft einschließlich ich. Jetzt noch eine Dusche und ab in die Koje. Da bin ich jetzt und kann auf einen, für mich super guten Segeltag zurück blicken.

Freitag, 18.09.2015, wecken um 7:30 Uhr

Ach, ich hab herrlich geschlafen. Endlich eine Nacht, in der ich 7,5 Stunden am Stück schlafen konnte.
Ich schau beim Frischmachen gleich mal aus den Bullaugen. Wir liegen vor Als [?] am Anker. Das Wetter ist gräulich und frisch, die Sonne kämpft. Leider schafft sie es nicht ganz, und so frühstücken wir drinnen. Heute, so Werner, haben wir noch ein schönes Stück Fahrt vor uns. Wir motoren nördlich an der dänischen Küste bei Als Richtung Kieler Bucht. Wenn das Land dann steuerbords verschwindet, werden die Segel gesetzt. Gleich nach dem Frühstück (eigentlich schon währenddessen) haben wir Wache, in diesem Fall Fahrwache. Bis wir wissen, wie uns geschieht, sehen wir Werner im Klettergurt bereits die Wanten runter kommen. Er hat das Marssegel von den Zeisern befreit. Hoffentlich waren unsere Knoten, die wir bei Nacht gesetzt haben ordentlich. Und dann gehts auch schon los bzw. weiter. Gegen 10:50 Uhr werden die Segel gesetzt: Schoner, Groß, Besan, Stagfock, Innenklüver, Mittelklüver und natürlich die Mars. Wir segeln mit ca. 4-5 Knoten schon ganz ordentlich. Das Schiff kämpft sich bei Windstärke 3-4 [Bft] durch die See.

Gegen 13:00 Uhr passieren wir Damp 2000 und um 16:00 Uhr lassen wir die Heultonne 1 an der Kieler Förde steuerbord querab liegen. Mittags gab es nur die Reste der letzten Tage, wobei „nur“ für dieses Mittagsmahl schon fast beleidigend ist. Aber wir sparen alles fürs Captainsdinner auf.

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